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Dreiradentwicklung ist eng verbunden mit der der zweirädrigen
Pedalfahrzeuge. Beim Versuch einer Einteilung der Geschichte beginnt die
Fahrradhistorie in aller Regel mit dem Freiherrn von Drais und seinen
Laufmaschinen, Werke aus einem Zeitalter, in dem der Werkstoff Holz
große Bedeutung hatte und in dem das Verkehrsmittel Pferdefuhrwerk
vorherrschte. Erst Freiherr Karl Friedrich Drais von Sauerbronn
beschäftigte sich Anfang des 19.Jahrhunderts ernsthaft mit dem Bau von
Fahrzeugen als Transportmittel, die nicht durch Pferde sondern alleine
durch Menschenkraft angetrieben wurden. Das regte in der Folgezeit viele
andere Mechaniker im In- und Ausland zu ähnlichen Konstruktionen an.
Diesen pferdelosen Fahrzeugen war der Antrieb durch das Abstoßen der
Füße auf dem Boden gemeinsam. Die einspurigen Maschinen wurden sehr
beliebt unter den darstellungssüchtigen Gentlemen (Dandy Horses), als
Spielzeug in den Parks oder mit den selteneren drei- und mehrrädrigen
Versionen zur Spazierfahrt der angebeteten Dame.
edeutend näherte man
sich dem Fahrrad durch einen Wechsel des Antriebs vom puren Bodenkontakt
der Füße zum Auf- und Abwärts oder Vor- und Rückwärtstreten von
Hebeln, die eine gekröpfte Welle in Bewegung setzten. Viele neue
Fahrzeuge wurden erfunden und als das Non-plus-Ultra dargestellt. Die
oft von Amateur-Mechanikern auf die Räder gestellten Ungetüme waren
selten soweit entwickelt, daß daraus ein verkaufbares Produkt wurde.
Diese Konstrukteure waren in der Regel gut situierte Menschen, denen es
möglich war, Zeit und Geld für ihre Ambitionen opfern zu können, weil
sie nicht den ganzen Tag für ihren Lebensunterhalt aufwenden mußten.
Immer noch auf der Basis von Holz, denn die Metallurgie und die
Werkzeugmaschinen begannen sich im Zuge der industriellen Revolution
erst langsam zu entwickeln, gab es auch schon Beispiele erfolgreich
vermarkteter Konzepte, wie zum Beispiel die vierrädrigen Fahrzeuge des
Willard Sawyer aus Dover.
in anderes Zeitalter der
Fahrradherstellung wird aber erst mit der Velocipedära in Frankreich
eingeläutet, mit der die Namen Michaux, Lallement und Olivier eng
verbunden sind. Aufgrund der Euphorie in Paris von 1865 bis 1870
verbreitete sich die Idee der pedalgetriebenen Velocipede rasch auch in
den Nachbarländern und in Amerika. Die nicht so sportlichen
Herrschaften oder die Damen bevorzugten statt der wackeligen
Kochenschüttler eher die dreirädrigen Versionen, die es ebenfalls
erlaubten, ein neues Fahrgefühl zu erleben. Lange währte der Boom
allerdings nicht. Mit der Ausbreitung des Rollschuhlaufens wurde noch
vor dem Preußisch-Französichen Krieg von 1870/71 der neuen
Velociped-Mode erst mal ein Ende bereitet, schließlich wurden die
Kräfte durch den Krieg von weniger angenehmen Aktivitäten gebunden.
Der Industrie der nicht involvierten Nationen, die sich schon mit dem
Velociped beschäftigt hatten, bot sich nun die Chance, den Vorsprung
Frankreichs aufzuholen. England erwies sich dabei als besonders
tüchtig. Im Zuge der erfolgreichen Vermarktung der Velocipede wandelten
die sich bildenden Produzenten von der holz.- zur metallverarbeitenden
Industrie. Innovationen der Waffen- und Nähmaschinenindustrie wurden
bald für die Fahrradherstellung nutzbringend umgesetzt und sie schufen
damit neue Techniken und Werkstoffe, die auch die
Werkzeugmaschinenindustrie befruchtete. Die Basis der späteren
Massenproduktion von Fahrrädern und in der Folge des Automobils wurde
damit geschaffen.
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as
Zentrum der englischen Fahrradindustrie befand sich bis zum Jahr 1890
hauptsächlich in Coventry und war eng verbunden mit dem Genius von
James Starley, der gerade auch durch seine dreirädrigen Fahrzeuge
bekannt wurde. Seinem Beispiel, Zwei- und Dreiräder auf einem
industriellen Niveau zu fertigen, wie es dies bis dahin noch nicht
gegeben hatte, folgten bald viele andere Firmen. Oft waren andere
Branchen beteiligt (meist schon im Metallbereich tätig), die sich
andere Betätigungsfelder erschließen wollten, nachdem die
Gewinnmöglichkeiten der Fahrraderzeugung offensichtlich wurden und sie
daher bald ganz auf dieses Produkt umschwenkten. In der Hochzeit
dreirädriger Pedalfahrzeuge wurden auf den regelmäßigen
Fahrradausstellungen, vor allem der Stanley Cycle Show in Coventry, mehr
drei- als zweirädrige Modelle ausgestellt. Zuzuschreiben war dies dem
Streben der es sich leisten könnenden Klasse, stets das neueste Modell
vorführen zu können in Verbindung mit der größeren Variationsbreite
der Konstruktionsmöglichkeiten bei dreirädrigen Pedalfahrzeugen. Man
war auf der Suche nach dem richtigen Konzept. Noch immer waren
Dreiräder nicht nur teuer in den Anschaffungskosten (ein Arbeiter
konnte sich selbst ein einfaches Zweirad nicht leisten), die Folgekosten
des Betriebs konnten sich nur begüterte Menschen leisten und alleine
die Größe der Gefährte setzte einen Platz zum Abstellen voraus, den
eine kleine Kutsche benötigte. Die Industrialisierung in Richtung
Massenproduktion von Fahrrädern gegen Ende des Jahrhunderts brachte
schließlich die große Verbreitung des Zweirades in allen
Gesellschaftsschichten.
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ank
einer ganzen Reihe technischer Lösungen in den Ausstattungsdetails seit
den ersten hölzernen Velocipeden mit direktem Kurbelantrieb des
Vorderrades von Michaux wurde das Fahrrad erst zum vollgültigen
Verkehrsmittel und Freizeitgegenstand auch der Arbeiter. Die
Leichtigkeit und der Spaß beim Fahren mit Pedalfahrzeugen ermöglichte
den Siegeszug des zweirädrigen Pedalfahrzeugs und führte gleichzeitig
zur Verdrängung dreirädriger Modelle. Der Radsport hatte eine
bedeutende Rolle bei der Popularisierung gespielt. Der Bedeutungsverlust
von Dreirädern läßt sich an der stetig sinkenden Produktvielfalt in
den Herstellerkatalogen ab 1900 ablesen.
as Dreirad überlebte
nur noch als Nischenprodukt und wurde erst jüngst wieder als ernst zu
nehmendes Fahrzeug für spezielle Einsatzbereiche wahrgenommen. Die
Ölkrise schuf wieder eine Rückbesinnung auf das Fahrrad und die Rolle
dreirädriger Pedalfahrzeuge. Visionen der autofreien Innenstädte
machten die Runde, in den Kabinenfahrzeuge mit Muskelkraft von der
Wohnung zu den Einzelhandelsgeschäften oder zur Arbeitsstätte pendeln.
Leider blieben das nur Träume, obwohl viele dieser Ansätze manche der
heutigen Probleme vermieden hätten. Daß viele der heute als neueste
Neuigkeit gepriesenen Fahrradkonzepte in Wahrheit nicht neu sind, zeigt
ein Blick in die Fahrradgeschichte und in die Museen.
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