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erkstoffe
beim und physikalische Anmerkungen zum Dreirad --- Lenkgeometrien ---
Für eine sinnvolle Einteilung von Dreirädern muß man sich ein wenig
mit physikalischen Beschreibungen beschäftigen, ohne sich aber in
trockene Theorie zu verlieren. Es können drei wesentliche
Steuerprizipien unterschieden werden. Bei der Drehschemellenkung
befinden sich zwei Laufräder an einer starren Achse. Diese Achse samt
den daran befestigten Laufrädern wird um einen gemeinsamen Drehpunkt,
der auf der Fahrzeuglängsachse liegt, geschwenkt. Dieses Steuerprinzip
wird vor allem bei Lastendreirädern genutzt, da diese Lenkung das am
einfachsten zu bauende Lenkprinzip darstellt. Andere Bereiche, in denen
die Drehschemellenkung auch vorkommt, sind Anhänger von Lastkraftwagen
oder Kutschen. Bei der Achsschenkellenkung werden beide Räder einzeln
um ihre jeweilige Lenkachse geschwenkt. Die dahinter stehende Physik und
die Rechenmethoden zur Auslegung der Elemente der Lenkgeometrie sind aus
dem Automobilbau bekannt und können auf Muskelkraftfahrzeuge
übertragen werden. Schließlich darf nicht das einzeln gelenkte Rad
vergessen werden, wie es im traditionellen Fahrradbau seit mehr als 100
Jahren eingesetzt wird. Die beiden parallel laufenden Räder befinden
sich in diesem Falle hinten und werden meistens einzeln angetrieben oder
aber beide über ein Differential. Ein wenig unterschiedlich können die
Verhältnisse bei den beschriebenen Lenkungsarten noch sein, je nach
dem, ob sie vorne oder hinten plaziert sind. Als Sonderfall bleiben
schließlich noch die Kurvenleger zu erwähnen. Das sind
Dreiradgeometrien, bei denen man das Fahrzeug in die Kurve neigen kann,
um der Zentrifugalkraft zu entgehen. Zwar ist die Eigenschaft des in die
Kurve legens nicht direkt als Lenkgeometrie zu bezeichnen, doch hängt
dieses Vermögen eng mit den gewählten Steuerungsdetails zusammen. Wie
im Kurvenlegerkapitel aufgeführt, gibt es solche mit Achsschenkel- und
solche mit Drehschemellenkung.
onstruktionsdetails
der Achsschenkellenkung --- Bei der Achsschenkellenkung geht es darum,
bei zwei einzeln gelenkten Rädern zu gewährleisten, daß bei
Kurvenfahrten Reibungskräfte vermieden werden, die sich im Querschlupf,
also dem Radieren des Reifens über die Fahrbahn (und damit erhöhtem
Reifenverschleiß) äußern können. Um verschiedene Lenkwinkel zu
erreichen, müssen sich die Verlängerungen aller Laufradachsen des
Dreirades (oder Vierrades) bei Kurvenfahrten in einem Punkt innerhalb
des Kurvenkreises treffen, nämlich dem Mittelpunkt. Das kurveninnere
Rad wird stärker einschlagen als das kurvenäußere. Verantwortlich ist
dafür das Lenktrapez. Das Lenktrapez, das bei Geradeausfahrt durch die
Spurstange, die Spurhebel und die Verbindungslinie der
Achsschenkeldrehpunkte (Vorderachse) gebildet wird, ist dafür
verantwortlich. Da der Winkel zwischen Achsschenkel und Spurhebel nicht
90 Grad ist, steht die Spurstange beim Einlenken nicht mehr parallel zur
Vorderachse. Es ergeben sich dadurch unterschliedlich lange Wege an den
Enden der Spurhelbel, wodurch das kurveninnere Rad wie gewünscht
stärker eingeschlagen wird. Eine wichtige Aufgabe des Konstrukteurs
eines Dreirades ist die richtige Auslegung des Lenktrapezes. Der
erforderliche Winkel des Spurhebels mit dem Achsschenkel ergibt sich
durch die Verlängerung der Spuhrhebel bis zum Mittelpunkt der
Hinterachse. Die Spurstange kann nun die beiden Spurhebel verbinden.
Weitere Kriterien der Lenkgeometrie sind die Spreizung, der Nachlauf,
die Spur und der Sturz. 1)
preizung
--- Das am Achsschenkel befestigte Rad wird um den Achsschenkelbolzen
geschwenkt (oder die dafür vorgesehenen Gelenke, wenn es zum Beispiel
gefedert ist). Der Abstand vom Radaufstandspunkt bis zu dem imaginären
Punkt auf der Fahrbahn von der Verlängerung des Achsschenkelbolzens
wird Lenkrollhalbmesser genannt und hat durch seine Größe Auswirkungen
auf die Lenkeigenschaften. Ein senkrecht stehender Achsschenkelbolzen
bringt Nachteile mit sich. Zum Lenken muß in diesem Fall zu viel Kraft
aufgewendet werden und die Räder beginnen leicht zu flattern, da im
ganzen System nicht vermeidbares Lagerspiel vorhanden ist, das ab
bestimmten Geschwindigkeiten des Dreirades zum Schwingen neigt. Im
ungünstigen Fall schaukeln sich die Schwingungen auf und das Fahrzeug
ist nicht mehr beherrschbar. Zwar kann man einen Lenkungsdämpfer
einbauen, damit werden aber nicht die Ursachen bekämpft, nämlich einen
möglichst kleinen Lenkrollhalbmesser zu erreichen. Dieses Ziel erreicht
man am einfachsten durch Schrägstellen des Achsschenkelbolzens, was man
unter dem Begriff Spreizung versteht. Je nach Spreizwinkel ergeben sich
verschiedene Werte für den Lenkrollhalbmesser- Er ist positiv, wenn der
imaginäre Punkt der verlängerten Lenkachse innen vor dem
Reifenaufstandspunkt liegt, er kann Null werden, wenn sich beide Punkte
berühren und er kann auch negativ werden, wenn der imaginäre Punkt
über den Aufstandspunkt nach außen rauswandert. Je kleiner der
Lenkrollhalbmesser ist, umso geringer werden die Lenkungsbauteile in
Anspruch genommen und entsprechend kleiner ist die zum Lenken
erforderliche Kraft. Ein positiver Wert läßt das Rad beim Bremsen
vorne nach außen schwenken und kann bei unterschiedlicher Haftung der
beiden Räder zu einem Ausbrechen des Fahrzeuges nach einer Seite
führen. Von Bedeutung ist dies besonders beim Befahren von Kurven. Ein
Wert von Null hat keine Auswirkung auf die Räder beim Bremsen. Beim
negativen Lenkrollhalbmesser wird das Gegenteil wie beim positiven
erzielt. Das Rad mit der größeren Haftung wird nach innen schwenken
und erlaubt so eine selbsttätige Stabilisierung des Fahrzeugs.
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achlauf
--- Eng mit der Spreizung hängt der Nachlauf zusammen, um eine
selbsttätige Rückstellung der eingeschlagenen Laufräder in den
Geradeauslauf zu ermöglichen. Der Achsschenkelbolzen ist normalerweise
nicht nur von vorne gesehen schräg gestellt, sondern auch wenn man das
Laufrad seitlich betrachtet. Der imaginäre Punkt auf der Fahrbahn
befindet sich aus dieser Perspektive nun in aller Regel vor dem
Radaufstandspunkt und bildet den Nachlauf, der in Millimeter oder aber
im Neigungsgrad des Achsschenkels gemessen wird. Diese Schrägstellung
bewirkt den sogenannten Teewageneffekt (auch beim Einkaufswagen im
Supermarkt). Das Laufrad wird hinter der Lenkachse hergezogen, es folgt
ihr nach. Der Rollwiderstand des Reifens erzeugt dabei richtungsgebende
Kräfte, welche ein Flattern des Laufrades verhindern. Die nötige
Größe des Nachlaufes hängt von der Laufradgröße und dem Lenkwinkel
ab, aber auch die anderen Kriterien der Fahrzeuggeometrie sind nicht
ohne Bedeutung. Sturz Die Bezeichnung Sturz meint die Schrägstellung
des Laufrades aus der Senkrechten und dient dazu, den Lenkrollhalbmesser
zu verkleinern und vermindert damit auch die Lenkkräfte. Im
Dreiradbereich hat der Sturz eher eine geringe Bedeutung, da der Reifen
zu einseitig abgenutzt werden kann (je nach Ausmaß des Sturzes), aber
auch, weil der kleine Lenkrollhalbmesser schon mit der
Konstruktionseigenschaft Spreizung erreicht wird. Auch wird die
Lenkgeometrie dadurch vermeidbar kompliziert. Wenn man auf Sturz
verzichten kann, wirkt sich dies eher positiv auf den Konstruktions- und
Produktionsaufwand aus.
pur
--- Die Spur bezeichnet schließlich den Unterschied im Abstand der
vorderen Felgenhörner und dem der hinteren Felgenhörner, wenn wir das
Fahrzeug von oben betrachten. Wenn der vordere Wert kleiner ist als der
hintere, wird dies Vorspur genannt und hilft dabei, den Geradeauslauf zu
stabilisieren und eventuelles Spiel in der Radaufhängung zu beseitigen.
Auch die Spur hat im Dreiradbau nicht die Bedeutung wie beim
Automobilbau. Vorspur kann ebenfalls zu erhöhtem Reifenverschleiß
führen. Die exakte Spurfreie Einstellung der Laufräder wird durch die
Einstellung der Spurstangen erreicht. Diese sind meistens durch Gelenk-
oder Kugelköpfe mit dem Achsschenkel verbunden. Wählt man an einer
Spurstange jeweils ein Gelenk mit Rechts- und eines mit Linksgewinde,
läßt sich die Spur auf den Millimeter genau ohne größeren Aufwand
einstellen, indem die Spurstange nach Lösen der Konterschrauben vor-
oder zurückgedreht wird.
rehschemellenkung
--- Die starre Drehschemellenkung wird im Dreiradbereich serienmäßig
fast nur bei Lastendreirädern eingesetzt. Hier sind die
Geschwindigkeiten, mit denen sich die Fahrzeuge bewegen, relativ gering.
Für die Beurteilung der Fahrzeugstabilität gibt es eine Daumenregel,
bei der man nicht rechen muß. Dazu denkt man sich ein Dreieck, das von
den Radaufstandpunkten gebildet wird. Der Schwerpunkt muß sich
innerhalb des Dreiecks befinden, wenn man Fahrer und Fahrzeug von oben
betrachtet (der Schwerpunkt befindet sich etwa im Bereich des
Bauchnabels beim aufrecht stehenden Menschen). Je nach Sitzhaltung und
Gewicht des Fahrzeuges kann er sich ein wenig verschieben. Bei großer
Zuladung auf einem Lastendreirad kann er sich aber auch deutlicher
verlagern. Bei der Drehschemellenkung verändert sich die Fläche beim
Kurvenfahren derart, daß sich das Dreireck durch den Lenkeinschag
soweit verkleinert, daß im Extremfall der Schwerpunkt nicht mehr im
Dreieck liegt und das Fahrverhalten zumindest unsicher wird, wenn Fahrer
und Fahrzeug vielleicht auch noch nicht umkippen. In solchen Fällen
heißt es abbremsen oder wenn möglich, den Kurvenradius vergrößern
(also auch das Dreieck der Radaufstandspunkte). Durch die Verlagerung
des Schwerpunktes bei Lastendreirädern mit Drehschemellenkung (z.B.
Christiania) nach vorne wird also das Fahrverhalten positiv beeinflußt.
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urvenleger
--- Bei der Klasse der passiven Kurvenleger (Liegedreiräder -
Transportdreiräder) wird eine einfache Drehschemellenkung eingesetzt,
bei der die Lenkachse von der Senkrechten um einen bestimmten Winkel
schräg gestellt ist, damit beim Lenken eine Neigung von Fahrzeug und
Fahrer in die Kurve erreicht wird. Dies geschieht automatisch, ohne daß
der Nutzer eine Wahl hätte. Bei aktiven Kurvenlegern kann man die
Neigung wählen und Neigungsmechanismus und Lenkung sind voneinander
getrennt. Es müssen also zwei Einflußfaktoren auf das Fahrverhalten
beherrschen gelernt werden. Bislang gibt es solche Fahrzeuge nicht als
Serienmodelle, da der konstruktive Aufwand relativ hoch ist und
Hobbydesigner und Tüftler gaben bisher den Ton an. Nun gibt es das
Culty, das erste erhältliche Dreirad mit Achsschenkelhecklenkung und
Neigungsmöglichkeit. Ein anderes neues Prinzip und eine sehr
interessante Entwicklung stammt von Frank Schliewert aus Kehl. Frank
Schliewerts Kurvenleger vermeidet diese Problematik der getrennten
Lenkungs- und Neigungseinrichtung dadurch, daß mit der ersonnenen
Mechanik nur durch die Betätigung der Schrägstelleinrichtung gelenkt
werden kann. Aufgrund einer selbsthemmenden Mechanik schwenken die
vorderen Laufräder beim Schrägstellen automatisch auf den für den
jeweiligen Kurvenradius richtigen Lenkwinkel ein. Lediglich beim
langsamen Manövrieren (Schrittgeschwindigkeit) ist ein
"normaler" Lenker für die Steuerung verantwortlich.
ifferential
--- Dreiräder mit dem Antrieb auf die beiden parallel laufenden Räder
(meistens die Hinterräder) benötigen für das Befahren von Kurven ohne
unnötigen Reifenverschleiß ein Ausgleichsgetriebe (oder Differential).
Dieses Getriebe gleicht die unterschiedlichen Umdrehungen der Laufräder
in einer Kurve aus. Das kurvenäußere Rad hat einen größeren Weg
zurückzulegen als das kurveninnere. Die zentrale Aufgabe, die
unterschiedlichen Umdrehungen auszugleichen, übernehmen die kleinen
Ausgleichs-Zahnräder, die auf jeder Seite mit den Zahnrädern der
beiden Laufräder verbunden sind. Alle laufen frei im
Differentialgehäuse. Dabei sind die Ausgleichs-Zahnräder mit ihrer
Achse innen am Gehäuse befestigt und übertragen damit den Kettenzug
vom außen am Gehäuse sitzenden Ritzel (oder Ritzelpaket) auf die
inneren Ausgleichs-Zahnräder, die die beiden Außenzahnräder treiben.
Wenn die beiden Laufräder dieselbe Umdrehung aufweisen, stehen die
Ausgleichszahnräder still, während sich das Gehäuse beim Pedalieren
dreht, sobald aber ein Laufrad langsamer oder schneller vorwärts strebt
(Kurve oder einfach nur Schlangenlinien) drehen sich auch die
Ausgleichs-Zahnräder, um die Unterschiede zu nivellieren. Am
5.September 1877 wurde James Starley das Patent für ein
Differentialgetriebe gewährt, das er "balance gear" nannte.
Er vermochte es als erster erfolgreich dieses Ausgleichsgetriebe im
Dreiradbau einzusetzen und schuf damit eine bis dahin ungeahnte
Verbesserung der Fahreigenschaften, obwohl es auch seine Tücken hatte.
Aber Starley war nicht der erste, der das Differential erfunden hatte.
Schon der Franzose Onésime Pecquer hatte ein Patent aus dem Jahr 1828
inne. In Dampfmaschinen wurde ein spezieller Typ schon lange eingesetzt.
2)
1)=Tabellenbuch Kraftfahrzeugtechnik - Verlag Europa Lernmittel -
Wuppertal 1987
2)=D. Roberts - Cycling History, myths and queries - Pinkerton Press
1991 - S. 40
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