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onstruktionen
traditioneller Fahrradrikschas
Eine Rikscha ist eigentlich ein zweirädriger Wagen, der von einem
Menschen gezogen wird und zur Beförderung von Personen dient. Der Name
"Rikscha" stammt ab von dem chinesischen Wort "jin-riki-sha",
was soviel bedeutet wie "Menschenkraftfahrzeug". Einen
Eindruck der Bedeutung des Verkehrsmittels Rikscha im alten China oder
in Indien kann man zum Beispiel dem Roman "Rikscha-Kuli" von
LaoShe oder Rudyard Kiplings Geschichte "Die gespenstische
Rikscha" entnehmen oder noch betroffener dem Buch "Stadt der
Freude" von Dominique Lapierre.
eute
verstehen wir unter dem Begriff Rikscha meistens eine Weiterentwicklung
dieser Handwagen, bei der die typischen Elemente übernommen wurden, wie
der bequeme Sitz, der zwei Personen Platz bietet und das faltbare
Sonnendach und bei denen dann ein Fahrradantrieb hinzukam. Ausgangspunkt
sind dabei die Kolonialherren gewesen, die die Fahrräder einführten,
statt im Lande zu produzieren. Damit entstand mit der Zeit eine
Nachfrage nach Fahrradersatzteilen, die schließlich der heimischen
Fahrradindustrie zur Geburt verhalf. Im Jahr 1938 fing zum Beispiel die
India Cycle Manufacturing Company in Kalkutta (Indien) Fahrradteile zu
produzieren. 1)
ei
den Fahrrad-Rikschas in Indien, Bangladesh oder Malaysia sitzt der
Fahrer vor den Fahrgästen während bei den Becaks in Indonesien der
Fahrer meistens dahinter sitzt. Es gibt aber auch Modelle, bei der eine
Person transportiert wird, die neben dem Fahrer sitzt. Die
Fahrradrikschas sind oft reichhaltig verziert und bemalt, wenn sie in
asiatischen Touristenzentren eingesetzt werden oder aber in den Export
gehen. Demgegenüber sind Rikschas, die nicht von Touristen oder der
wohlhabenderen Bevölkerung genutzt werden, bei weitem nicht so
farbenprächtig und oft bereits so betagt, daß deren stetiger Einsatz
an ein Wunder grenzt. Die Robustheit asiatischer Fahrradrikschas läßt
sich etwa an den Laufrädern ablesen, die meistens 40 Speichen von
Mofastärke aufweisen. Die Gabel hat eine Verstärkungsbrücke von der
Vorderradachse bis über das obere Lenkkopflager. Das Eigengewicht
dieser Fahrzeuge liegt um die 100 kg, je nach Aufbauten. Allein an der
Fahrzeugmasse erkennt man schon den Knochenjob, den ein Rikschakuli
täglich bewältigen muß.
ei
Importen aus Asien werden die Fahrradrikschas oft den Bedürfnissen im
westlichen Einsatzland, z.B. in Europa, angepaßt. Vietnamesische
Rikschas zum Beispiel, die die Ladefläche vor dem Fahrer haben, werden
mit einem längeren Radstand gebaut, damit der Fahrer etwas mehr
Bewegungsspielraum hat, denn Europäer oder Amerikaner sind in der Regel
von größerer Statur. Auch die spezifischen Erfordernisse der
Straßenverkehrsordnung müssen natürlich erfüllt werden. Aber auch
aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, eine bessere Bremsanlage zu
montieren, als im Herkunftsland üblich ist. Schließlich ist die
Ausstattung für die Bequemlichkeit des Rikschakunden und die Bemalung
der Wände und der Faltdächer viel aufwendiger.
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ie
gößte Bedeutung haben Fahrradrikschas heute in Städten in Bangladesh,
Indonesien, Malaysia, Vietnam, Indien, Pakistan oder China. Die Anteile
dieses nichtmotorisierten Verkehrs ist in Städten des asiatischen
Raumes sehr unterschiedlich und sie reichen von 25 bis zu 80 Prozent
aller Fahrzeugwege (Pkw, Lkw, Busse, Fahrrad, Rikscha, Lastendreiräder).
2)
Dabei ist die Situation gegenwärtig und in Zukunft gekennzeichnet
durch die ständig wachsende Motorisierung und Rückdrängung vor allem
des Rikschagebrauchs, während europäische oder japanische Städte ihre
Verkehrspolitik dahingehend ändern, die Fahrradnutzung und das zu Fuß
gehen zu fördern. Mit der ungebremsten Motorisierung werden in den
Entwicklungsländern Abhängigkeiten geschaffen, die zu Lasten der armen
Bevölkerung gehen, die auf die nicht motorisierten
Transportdienstleistungen angewiesen ist und zum großen Teil davon
lebt.
ie
Mehrheit der 3,3 Millionen Fahrrad-Rikschas und Transportdreiräder auf
der Welt werden in Asien gefahren und die Zahl wächst, trotz vieler
Restriktionen. Eine indische Planungskomission schätzte, daß die Zahl
der Fahrrad-Rikschas vom 1,3 Millionen im Jahr 1979 auf 2,2 Millionen im
Jahr 2001 wachsen wird. Diese Fahrrad-Rikschas hatten im Jahr 1985 einen
Anteil vom 10 bis 20 % am Verkehr auf Hauptstraßen indischer und
pakistanischer Städte und bewältigten zwischen 5 bis 20 % aller
Personentransporte.
och
größere Anteile an Transportaufgaben erledigen Fahrrad-Rikschas in
Bangladesh. Nahezu 60 % aller Passagier-Kilometer und 36 % der
Tonnen-Kilometer (reine Lastentransporte) wurden in 1985 damit
abgewickelt. Der Gebrauch von Fahrrad-Rikschas ist für viele Menschen
aufgrund ihres niedrigen Einkommens eine Notwendigkeit, um ihre
täglichen Wege zu erledigen. Wenn Waren zu transportieren sind oder
Kinder oder die ganze Familie, ist es die preiswerteste Alternative,
eine Fahrrad-Rikschas in Anspruch zu nehmen, da oft öffentliche
Verkehrssysteme nicht vorhanden oder teurer sind. Vom
Fahrrad-Rikscha-Diensten hängen viele Arbeitsplätze ab. In Bangladesh
etwa wurde für 1988 geschätzt, daß eine Millionen Menschen direkt als
Rikschafahrer beschäftigt und noch einmal eine viertel Millionen
Menschen indirekt mit der Wartung, Herstellung und dem Vertrieb von
Fahrrad-Rikschas betraut waren.
in
anderer Vergleich zeigt noch prägnanter die Bedeutung von
Fahrrad-Rikschas für die Beschäftigung: Eine Investition von 100.000
Rupien in Indien für unterschiedliche Verkehrsträger bringt
unterschiedliche Zahlen neuer Arbeitsstellen. Für ein Bussystem
schätzt man die Schaffung zwei neuer Arbeitsplätze, für ein
motorisiertes Rikschasystem sechs neue Stellen aber für
Fahrrad-Rikscha-Transport ergeben sich 75 neue Arbeitsplätze. Die
große Bedeutung der Fahrrad-Rikschas in Asien hängt im wesentlichen
mit den niedrigen Löhnen für diese anstrengende Arbeit zusammen.
Während die Familie auf dem Land lebt, verdingt sich der Mann als
Rikschafahrer in der Stadt und sieht seine Familie für Monate nicht.
Von den geringen täglichen Fahrgeldern geht ein großer Teil an den
Eigentümer der Fahrrad-Rikscha, der seine Flotte an solche Fahrer
vermietet. So muß der Rikschakuli den gößten Teil des Tages für den
Eigentümer fahren. Dabei hat sich in der Regel die Investition für
eine neue Rikscha schon in kurzer Frist amortiesiert, ein Zeitraum der
bei weitem nicht der tatsächlichen Lebensdauer entspricht. Als weitere
Widrigkeiten für die Rikschakulis kommen die Unwägbarkeiten der
örtlichen Obrigkeit und der Polizei hinzu. Durch die Restriktion der
Anzahl von Fahrrad-Rikschas in vielen asiatischen Städten hat sich
nicht nur ein blühender Schwarzmarkt für gefälschte Lizenzen
herausgebildet auch sind die Rikschafahrer der Willkür bei Kontrollen
ausgeliefert. In Ländern wie Indien scheint mittlerweile die
Bedeutung von Fahrradrikschas zu schwinden, obwohl sie im Vergleich zu
westlichen Ländern noch enorm ist.
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ietnam
ist ein Land, in dem der pedalgetriebene Transport insbesondere noch auf
Rikschas, angewiesen ist. Was dort alles mit diesen Pedalfahrzeugen
bewältigt wird, ist für den Fahrradfan ein Besuch wert, zumal man
inzwischen als Tourist dieses Land besuchen kann. Die rasanten
Zuwachsraten der Wirtschaft kann man am quirligen Straßenleben, etwa im
Handelszentrum Saigon, ablesen und in dem spielen Pedalfahrzeuge noch
eine ganz große Rolle.
eine
wirkliche Transport-Alternative sondern in der Mehrzahl
Tourstenattraktion oder Fahrzeug für außergewöhnliche Erlebnisse bei
Hochzeiten oder sonstigen denkwürdigen Anlässen ist eine
Fahrrad-Rikscha in den westlichen Industrienationen, in Australien,
Amerika oder Europa, obwohl sich engagierte Leute bemühen, dies zu
ändern, etwa Nasser Nouri aus Frankfurt. Mit seinen auf Europa
ausgerichteten Rikschas, er läßt 5000 Stück in China bauen, will er
einen Rikschaservice möglichst in jeder Großstadt einrichten. Bisher
wurden diese Fahrzeuge oft von Enthusiasten aus Asien eingeführt, und
auf die jeweiligen Straßenverkehrsvorschriften um- bzw aufgerüstet.
as
Manko, mit dem Fahrradrikschas in Industrienationen behaftet sind, ist
ein psychologisches Problem, das die Selbstverständlichkeit der Nutzung
als Verkehrsmittel wie im asiatischen Raum zu verhindern scheint. So
bleiben im wesentlichen nur außergewöhnliche Ereignisse, zu denen sie
eingesetzt werden. Exotisch ging es auch im Mai 1996 zu, als sich zu
einem ersten deutschen Rikscha-Treffen mehr als 20 Fahrrad-Rikschas in
der Harzstadt Wernigerode einfanden. Der erste deutsche Rikschaclub aus
Pfaffenhofen organisiert regelmäßige Ausfahrten mit behinderten
Kindern und alten Menschen, durch die Verleih der Rikschas wird die
Flotte finanziert.
m
den exotischen Touch zu vermeiden und den hiesigen Ansprüche zu
genügen und dem Muskelkrafttransport die Peinlichkeit zu nehmen, ist
Hightech erforderlich. So gibt es neuerdings eigenständige
Konstruktionen, die sich nur in groben Ausstattungsdetails an die
traditionellen Gefährte anlehnen. Ambitionierte Jungunternehmer haben
aber nicht nur mit Vorurteilen der potentiellen Nutzer zu kämpfen. Auch
bürokratische Hindernisse und die Taxifahrerzunft stehen erfolgreichen
Gründungen entgegen. Die Gründung eines englischen Rikschataxidienstes
auf der Basis des Vierrades BROX (siehe Lastenräder) wurde eine geraume
Zeit lang durch das ungewöhnliche Fahrzeugkonzept blockiert, von dem
sich die Polizei und das städtische Ordnungsamt erst in zähen Kämpfen
mit dem Betreiber und dem Hersteller über die Sicherheit und
Funktionstüchtigkeit der Fahrzeuge überzeugen lassen mußten. Ein
anderes Beispiel ist Wien, in dem die Konkurenz in Form der
motorisierten Taxis und vor allem der Fiaker es unmöglich erlauben
würde, eine Lizenz für Rikschadienste zu erhalten. In anderen
Großstädten versuchen Rikschaunternehmen schon seit mehr oder weniger
langer Zeit, ihre Dienstleistungen anzubieten. Touristische
Stadtrundfahrten kann man in Köln, München, Frankfurt, Berlin, Oxford,
Brighton, Düsseldorf, Berlin oder anderswo buchen.
as
Modell von Stefan Bürkle aus Straubenhardt tritt im Vergleich eher als
schlichte Hightechversion der bunten und schweren asiatischen Schwestern
auf. Der rostfreie Edelstahlrahmen beherbergt die Zugführung für
Schaltung und hydraulische Trommelbremse hinten. Der Aufbau aus
rutschfestem Aluriffelblech bietet ausreichenden Platz für zwei
Fahrgäste samt Gepäck. Der Stauraum, auf dem sie sitzen, ist sogar
verschließbar. Die äußerst stabile Gabel sorgt mit zwei Gabelbrücken
für die nötige Stabilität zur Seite als auch bei der Verzögerung mit
der vorderen Scheibenbremse.
ehnliche
Gestaltungsprinzipien, nämlich die Anpassung an die Bedürfnisse von
Fahrgästen und Rikschafahrern in den Industrienationen ziehen auch
andere Hersteller vor. Die Main Street Pedicabs Incorporation aus Denver
konstruiert ihre Fahrzeuge ähnlich, wenn auch nicht so kosequent
geradlinig wie Stefan Bürkle. Steve Meyer hat in Denver (Colorado) 16
Pedicabs im Einsatz und lieferte in den letzten drei Jahren Fahrzeuge
nach Florida, San Francisco, San Diego, Boston, New York City,
Washington DC, Chicago und einige andere Einsatzorte. Die Pedicabs
werden meist über kurze Distanzen eingesetzt und gehen durchschnittlich
bis zu maximal vier Blocks weit. Die durchschnittlichen Fahrtkosten
liegen bei sieben US$. pro Fahrt und die Entlohnung wird, wie in Asien
üblich, vor der Fahrt vereinbart. Ein bevorzugter Einsatzbereich in
Denver ist das Coors Field Football Stadium. Viele Kunden wollen nach
dem Spiel ins Restaurant oder in ein bestimmtes Geschäft. Es kommt
jedoch auch nicht selten vor, daß Kunden die Pedicaps nutzen, um ihr
abgestelltes Auto wiederzufinden. So rollen sie durch die Straßen und
halten Ausschau nach ihrem Gefährt, von dem sie nicht mehr wissen, wo
sie es abgestellt hatten.
einerlei
dekorative Ausstattungsdetails bietet das Taxi-Mover von Worksman-Cycles
aus den USA. In fast stilisierter Form findet man die Grundkomponenten
einer Rikscha: zwei Sitze die sich hinter dem Fahrer befinden. immerhin
mit Armlehnen, sogar ein Sonnendach thront über den Fahrgästen.
1)= Indiens Bikebranche - SAZ 5.2.96 - S. 19
2)= M. Replogle -
Non-Motorized Vehicles in Asia: Strategies for Management - Bericht
für: Supercities of the Pacific Rim Conference vom 26 - 30.10.1992 San
Francisco - Center for Renewable Energy & Sustainable Technology -
URL:http://solstice.crest.org/planning/nmv-mgmt-asia/index.html -
sämtliche Beispiele und Zahlen stammen aus diesem Bericht, der einen
ausgezeichneten Überblick zur Situation nicht motorisierten Verkehrs im
asiatischen Raum gibt.
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